Eine mehrtägige Fahrradtour des ADFC KV Cuxhaven durch die
Mecklenburgische Seenplatte


Mit dieser Tour vom 6. bis 13. September 2008 wollten wir auf unseren sechs Tagestouren die Einzigartigkeit und Schönheit der Region erkunden. Wir kamen voll auf unsere Kosten und wurden Teil einzigartiger Fauna und Flora, indem wir die frische Waldluft einatmeten, den Geräuschen der Natur lauschten und den Gedanken freien Lauf ließen. Wir entflohen in kürzester Zeit dem stressigen Alltag und konnten mit jedem geradelten Kilometer zu innerer Ruhe gelangen. Nicht zuletzt auch dadurch, dass es gar keine Zeit zum Nachdenken gab, denn keiner von uns hatte mit so vielen Steigungen und teilweise recht beschwerlichen Radwegen gerechnet. Doch wie heißt es so schön: Nur gemeinsam ist man stark! Spätestens nach dem Duschen und Abendessen, wo im dortigen Themenrestaurant jeder selbst nach Lust und Laune sowie eigenem Geschmack seine Speisen zusammenstellen konnte, war das Erklimmen der teilweise recht beschwerlichen Etappen schnell vergessen. Pünktlich am nächsten Morgen sehnten wir uns nach den Worten „Rauf aufs Fahrrad!“ Und wieder ging ein schmunzelndes Raunen durch die Gruppe: Nicht schon wieder! Sind wir bald oben? Schon wieder ein Geröllweg! Ich steige ab! Es kann doch nicht wahr sein, wieder Sand! Wie entspannend waren da die Abfahrten, die uns allerdings volle Konzentration und Aufmerksamkeit abverlangten.

Als Unterkunft hatten wir drei Ferienhäuser á sechs Personen in Linstow im Van der Valk Resort gewählt. Da diese über große
Aufenthaltsräume verfügten, konnten wir im
täglichen Wechsel in großer Runde unseren
erradelten Tag noch einmal Revue passieren
lassen. Getränke nach Wunsch und andere
kleine Überraschungen waren Selbst-
verständlichkeiten. An einem dieser Abende
erschien zu aller Freude auch die „Rasende
Paula“,um unsere Kasse aufzufüllen.


Hier nun unsere Routen:
Rund um den Krakower und Goldberger See – 66,5 km waren für den Sonntag zum Einradeln angesetzt


In Richtung Nordwesten ging es über Zietlitz nach Serrahn. Hier empfing man uns pünktlich um 10.00 Uhr mit Glockengeläut. Bereits nach sieben Kilometern hatten wir den ersten und einzigen Plattfuß während der gesamten Tour. Durch Krakow am See führte uns später der Radweg über Alt Sammit, die Schwinzer Heide zu dem „sehenswerten Dorf“ Jellen, welches uns durch ein großes Ortsschild mitten im Wald angekündigt wurde. Lediglich drei Häuser gibt es hier vor Ort und davon sind nur zwei bewohnt. In der Mittagszeit erreichten wir Goldberg. Auf dem Marktplatz vor dem Le Café legten wir eine größere Regenerierungspause ein. Während wir bis hier fast ausschließlich Waldwege nutzten, waren jetzt für den Rückweg über Wendisch-Waren, Neu Poserin, Karow, Dobbin nach Linstow Sand- und Hohlwege angesagt.

Der Montag „sollte“ der Entspannung dienen – 58,2 km plus 20 km Draisinenfahrt

Von Linstow über Bornkrug, Nossentiner Hütte, Silz, Alt Schwerin, Mönchbusch, Glashütte, Karow erreichten wir unser heutiges Ziel, die Draisinenausleihstation Karow. Hier sollten Kindheitsträume wahr werden. Mit geballter Kraft wurden fünf Draisinen Richtung Goldberg bewegt. Die Strecke zwischen Karow und Goldberg führte durch die einmalige Natur- und Kulturlandschaft der Nossentiner-Schwinzer Heide. Wer glaubte, dass diese Art von Fortbewegung auf der Schiene eine Erholung sein würde, wurde schwer enttäuscht. Wie glücklich waren doch alle nach diesen 20 km, endlich wieder auf den eigenen Fahrrädern zu sitzen. Die letzten Kilometer führten uns über Neu Damerow, Sandhof, Grüner Jäger, Glave nach Linstow.

Dienstag – Der Hauptort der Mecklenburgischen Seenplatte „Waren an der Müritz“ war unser Ziel – 70,4 km

Über Hohen Wangelin, Cramon, Alt Gaarz, Neu Gaarz, Sophienhof, Louisenfeld, Sommmerstorf, Grabowhöfe und Vielist hielt uns nichts mehr vor Waren/Müritz auf. (Geplant war eigentlich eine Besichtigung der Schiffschraubenfabrik MMF. Doch aus Sicherheits­bedenken wurde diese abgelehnt.) Ein ausgedehnter Stadtbummel im neu gestalteten Altstadtviertel stand auf dem Plan. Der Höhepunkt des Tages wurde auf der Rückfahrt erreicht. Nach Jabel und Loppin war unser Ziel Drewitz. Hier befindet sich die ehemalige „Jagd- und Naturpark Residenz Honeckers“, welche seinerzeit ein Geschenk Mielkes an Honecker war. Der heutige Vier-Sterne-Hotelbetrieb lud uns quasi ein, hier eine Erfrischungspause auf der Terrasse mit Blick auf Natur pur einzulegen.

Mittwoch – Rund um den Malchiner See – 67,4 km (schwerste Strecke)

Richtung Nordosten gelegen, durchfuhren wir die Orte Groß Bäbelin, Klein Bäbelin, Liepen, Hallalit. Hier lernten wir einen ausgeschilderten Radweg kennen, der dieser Bezeichnung keineswegs würdig war. Auch das überstanden wir! Die längste Wohnkate Deutschlands (104 m) lag auf der Strecke nach Schloss Grubenhagen. Über Kirch Grubenhagen, Pennhäuser, Ziddorf gelangten wir nach Schorssow. Die wunderschöne Gartenanlage von Schloss Schorssow (jetzt Hotel)  nutzten wir für eine Verweilpause. Fahrend im Uhrzeigersinn rund um den Malchiner See erreichten wir Basedow, früher einmal Herrschaftssitz der Grafen von Hahn. Im Bauernmarkt und Café „Alter Schafstall“ entspannten wir uns von der per pedes geführten Besichtigung durch Basedow.  Über Dahmen, Vollrathsruhe, Hohen Wangelin rückte Linstow langsam näher. Erschöpft, aber trotzdem guter Dinge ging es unter die Duschen.

Donnerstag – Eine Seefahrt bringt Entspannung! Malchow und Plau am See wurden angesteuert – 56,3 km

Um auch etwas von der Mecklenburgischen Seenplatte zu erhaschen, kam uns eine Schifffahrtauf dem Plauer See, übrigens drittgrößter See Mecklenburgs, wie gerufen. Wir erreichten Malchow über Bornkrug, Nossentiner Hütte und Silz. Im Malchower Hafen enterten wir ein Ausflugsschiff nach Plau am See. Diese Entspannungsreisebei herrlichstem Sonnenschein erlebten unsere „See- bzw. Sehmänner/-frauen“ auf dem Oberdeck. Dieser Tag reihte sich ab sofort in die Liste der schönsten Erlebnisse unserer Touren ein. Zurück ging es Richtung Heidkrug über Karow, Glashütte, Mönchbusch, Alt Schwerin nach Ortskrug, wo ein Gesteinsgarten uns in die Eiszeit zurück versetzte. Noch 10 km bis Linstow!

Freitag – Auf nach Güstrow – 76,3 km

Und wieder hieß es nach dem ausgiebigen Frühstück: Rauf auf die Räder! Start zur letzten Etappe! Das nördliche Gebiet von Linstow hatten wir noch nicht erkundet, so dass die Barlachstadt Güstrow, im Herzen von Mecklenburg-Vorpommern gelegen, unser Ziel war. Nach einer zeitraubenden Besichtigung des Barlach-Atelierhauses sowie des sich anschließenden Besuchs der Gertrudenkapelle verweilten wir auf dem Rathausplatz von Güstrow. Durch das Einzugsgebiet des Teuchelbaches bei Hoppenrade wurde in Kuchelmiß die wohlverdiente Kaffeepause eingeläutet. Dieses Intervall hatten wir uns im wahrsten Sinne des Wortes redlich verdient. Mit schwierigen Anstiegen und auf teilweise unbefestigten, holperigen Gesteins- und Sandwegen wurden unsere letzten Kräfte aufgezehrt. Doch auch an diesem Tag erreichten wir Linstow unbeschadet.

Fazit: … Auch wenn es immer wieder bergauf/bergab ging, ein Blick zurück lohnte sich allemal. Uns Betrachter erschloss sich ein Panorama auf die Seen und Hügelketten der Mecklenburgischen Seenplatte und wurde zur Bereicherung des Fahr-Erlebnisses.


Sigrid und Jürgen Brüschke

PS: Dank sagen wir allen 16 Mitfahrer/innen, die zum Gelingen dieser schönen harmonischen Tour beigetragen haben und uns einen unvergesslichen  Abschlussabend bescherten. Ein besonderer Dank geht an Behrend F. Hein für die netten Worte in Gedichtform, Rolf-Dieter Dzialas für seine Diashows/-CDs, Fahrradgeschäft Rad & Tour für die Bereitstellung eines Ersatzfahrrades sowie Autohaus Puhl für die Gestellung eines vergünstigten Kraftfahrzeuges.
                       
Fotos: Rolf-Dieter Dzialas
                                                     Anmerkung: unter markiertem Namen = Gedicht aufrufen.