Rückblick auf eine achttägige Fahrradtour von 300 km durch das östliche Brandenburger Land

(Geplant, vorgefahren und durchgeführt durch die Tourenleiter S. und J. Brüschke)

 
 

Nach den letzten Vorbereitungen bei Renate und Herbert Petersen „Kiek mol in“ in Nordleda wurden u. a. die eigenen Fahrräder auf dem vereinseigenen Trailer des ADFC KV Cuxhaven verzurrt. Auch diesmal stellte Fördermitglied Herbert Petersen seinen Kleinbus für das Gepäck und als Zugmaschine für „Maximilian“ zur Verfügung, so dass die Tour in den frühen Morgenstunden am Samstag, 25. Juni 2005, beginnen konnte.

 

Der achtstündige Fahrradtransport auf der Straße war nicht so kompliziert wie die 10-stündige Eisenbahnfahrt der 22-köpfigen Gruppe. Ein kurzer Zwischenstopp in Schwerin wurde zur Überraschung aller mit einem kleinen Sektempfang überbrückt.

 

Ausgesucht hatten wir ein Quartier, das direkt am Rande Berlins in der grünen Lunge Brandenburgs liegt. Im „Haus am Werlsee“ standen uns ausschließlich Doppelzimmer mit Dusche/WC und Balkone mit Blick auf den Werlsee zur Verfügung. Bereits in den frühen Morgen- wie auch in den späten Abendstunden tummelten sich die Mutigen unter uns zwischen Schwänen und Enten im erfrischenden Nass.

 

Nicht zuletzt durch den Genuss des uns täglich gebotenen, überaus reichlichen Frühstücks­büffets brachen wir froh gelaunt und guter Dinge zu den jeweiligen Tagestouren auf.

 

Zum Ziel unserer ersten Tagestour wählten wir Fürstenwalde/Spree. Hier war es ein Muss, den zerstörten und wieder aufgebauten Dom zu besichtigen, wobei uns eine kompetente Person zur Seite stand. Doch bevor wir Fürstenwalde erreichten, gab es einen Zwischenaufenthalt in Jänickendorf. In der kleinen Kapelle des 120 Seelendorfes ist eine Ausstellung untergebracht, die über die letzten Tage des 2. Weltkrieges berichtet. Die Dokumente und Bilder wurden erst nach der Wende mit Hilfe von Einheimischen zusammen getragen. Der Initiator dieser kleinen Galerie präsentierte uns einen emotionalen Vortrag (super).

 

Am zweiten Tag blieben die Fahrräder in der Garage, nicht weil uns etwa die ersten 70 km überforderten, sondern einfach aus Erfahrung, dass fast alle Gaststätten und Cafés den Montag zum Ruhetag erklärt haben. So wurde der Wochenbeginn für eine Eisenbahnrundreise über Frankfurt/Oder, Oderbruch, Niederfinow nach Berlin genutzt. Höhepunkt war der Besuch des Schiffshebewerks Niederfinow. Der Ausblick von der ca. 36 Meter hohen Besucherplattform auf den unteren Kanalabschnitt und die weitere Umgebung ist einfach herrlich und ließ die Strapazen des Erklimmens der vielen Stufen schnell vergessen.

Einige Hindernisse durchquerten unseren geplanten Tagesablauf gewaltig, wie z. B. zu langes Zögern beim Einsteigen in Regionalbahn (Zug fuhr ohne uns ab), Falschauskunft durch Kondukteur, ungewollte Stadtrundfahrt per Linienbus durch Frankfurt/Oder, Tasche in der Hektik im Bahnhofscafé in Frankfurt/Oder vergessen (ein Dank den ehrlichen Findern). Wer fährt schon voller Freude ein zweites Mal an einem Tag nach Frankfurt/Oder und zurück? Doch all dieses Ungeplante tat der Stimmung keinen Abbruch. Abends in der großen Runde stieß plötzlich auch noch die „Rasende Paula“ zu uns und ließ diesen denkwürdigen Tag dennoch fröhlich ausklingen.

 

Ziel des dritten Tages war Bad Saarow-Pieskow, am Scharmützelsee gelegen. Eine „Seefahrt“ von Bad Saarow nach Wendisch-Rietz wurde als Mittagspause genutzt. Nicht nur über die Dörfer Spreenhagen, Markgrafpieske, Storkow, Neu Hartmannsdorf könnten unsere fahrbaren Untersätze berichten, nein - auch über grobe unterschiedliche Straßenbelege wie Wald-/Sandwege, Kopfsteinpflasterpassagen und Betonplatten, die wir allerdings ebenso in anderen Regionen zu meistern hatten. Nach dem Abendessen ließ auch die „Rasende Paula“ nicht lange auf sich warten.

 

Ein Rundkurs um Grünheide wurde mit der 2 1/2-stündigen Besichtigung und historischen Führung durch den Museumspark Rüdersdorf (Abbau von Sandstein für die Berliner Prachtbauten) eingeläutet. Hier bekamen wir unter anderem einen Einblick in die zum Weltkulturerbe gehörenden Kalkbrennöfen, Rumfordöfen und die Schachtofenbatterie. Aus der jüngsten zweitausendjährigen Geschichte fanden wir einen germanischen Kalkbrennofen und seinen 2000 Jahre jüngeren Bruder, einen der modernsten Zementöfen der Welt.

Erstmals gönnten wir uns mittags eine kleine Ruhepause, um rechtzeitig nach Berlin zur Revue „Hexen“ in den Friedrichstadtpalast zu gelangen. Doch zuvor stillten wir unseren Hunger in der 1. Bulettenschmiede Berlins, gelegen in der Dreispitzpassage im Restaurant „Die Falle“.

 

Eine weitere Tagesreise besonderer Art (morgens erster Plattfuß) führte uns durchs Rote Luch nach Buckow, in das Zentrum der Märkischen Schweiz. Dieser kleine idyllische Ort, erst bekannt geworden durch den Dichter und Dramaturgen Bertholt Brecht (u. a. Dreigroschenoper), liegt umgeben von einer herrlichen Waldlandschaft auf dem Geestrücken am Schermützelsee. Nach einem Vortrag im Brecht-Weigel-Haus konnte die Anlage (innen und außen) auf eigene Faust erkundet werden. Abrupt unterbrochen wurde die Rückfahrt durch zwei weitere Plattfüße (doch kein Problem für unser technisches Team). Auch an diesem Abend im Grünen liefen die Würfel zur Höchstform auf.

 

Zum Abschluss der Reise stand eine wunderschöne Besichtigungstour im Osten Berlins auf dem Programm. Der Müggel- und Dahmesee wurde umrundet. Wir durchfuhren das schöne Waldgebiet mit seinen Orten Woltersdorf, Schöneiche, Friedrichshagen, Grünau, Schmöckwitz, Neu Zittau und Erkner.

Höhepunkte waren die 2-stündige Führung durch ein für Berlin einmaliges Museum der Berliner Wasserbetriebe, welches sich seit 1987 in einem Teil des stillgelegten Wasserwerks (ältestes Europas) am Ufer des Müggelsees befindet, Genießen des Großstadtflairs beim Schieben der Räder durch Friedrichshagen, Tragen der Drahtesel durch den Spreetunnel (hier sollte man nur sein eigenes Fahrrad mitnehmen), SCHIFFSreise auf dem Dahmekanal bei Köpenick, Radeln auf der Sportpromenade Karolinenhof (Sitz des ehemaligen russischen Befehlshabers Marschall Chukow der SBZ) sowie das besondere Abendessen in Erkner im Restaurant „Zum Nussknacker“, in dem 420 Nussknacker und Räuchermännchen von 4 bis 160 cm Größe auf die Gäste warten.

 

Nachdem Maximilian zur Rückfahrt beladen war, mussten die satten Erlöse der „Rasenden Paula“ sowie die großzügigen Spenden ‚vernichtet’ werden. Der Abend des Abschied­nehmens klang mit Gesang, Sketschen und traditionellen Versen von Maria aus.

 

Der letzte Tag! Endlich einmal länger schlafen? Nein, Koffer packen, Gepäck verstauen, ausgedehnt Frühstücken war die Devise für die ersten Stunden. Nur mit kleinem Handgepäck sollte es zum Bahnhof Erkner gehen. Doch einer schleppte sich mit einem schweren Koffer ab und wollte ihn partout nicht aus der Hand geben. Erst in Schwerin wurde das Geheimnis um dies Gepäckstück gelüftet – die Sektkorken knallten.

 

Eine schöne Woche ging am 2. Juli gegen 16.00 Uhr am Bahnhof Cuxhaven zu Ende.

 

Sigrid und Jürgen Brüschke

26.09.2005

 

Ein Lied zur Berlin-Brandenburg Tour, aufgezeichnet und vorgetragen am Abschlussabend von Maria: hier

 

hier Bilder zur Tour